Positionen aus dem Gängeviertel http://gv.blogsport.de Was viele nicht zu fragen wagen... Tue, 15 Dec 2009 16:08:20 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 en Gängeviertel zurückgekauft http://gv.blogsport.de/2009/12/15/gaengeviertel-zurueckgekauft/ http://gv.blogsport.de/2009/12/15/gaengeviertel-zurueckgekauft/#comments Tue, 15 Dec 2009 16:07:54 +0000 Administrator Allgemein http://gv.blogsport.de/2009/12/15/gaengeviertel-zurueckgekauft/ Anbei zwei Presseerklärungen aus dem Senat, die wir gerne dokumentieren.

Um es kurz zu sagen: Das Gängeviertel ist zurückgekauft, und das ist ein Grund zu feiern, z.B. bei den Veranstaltungen heute Abend.
Der Rückkauf ist ein wichtiger Schritt dafür, dass das Gängeviertel nicht in Investorenhände gerät. Er ist noch kein Garant, dass die zukünftige Entwicklung in unserem Interesse verläuft, aber eine wichtige Voraussetzung.

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15. Dezember 2009/bksm15a

Weg frei für neues Gängeviertel-Konzept

Weiteres Vorgehen des Senats nach Einigung mit Hanzevast

Der Senat hat mit Hanzevast heute eine Vereinbarung über eine Aufhebung der
Verträge zum Gängeviertel beschlossen. Beide Seiten haben sich darauf
verständigt, dass das Projekt ohne den niederländischen Investor fortgeführt
wird. Hanzevast werden Aufwendungen in Höhe von knapp 2,8 Millionen Euro
erstattet.

Der Senat wird nun mit der Künstlerinitiative „Komm in die Gänge“ über eine
neue Nutzungsvereinbarung reden. Im Januar wird dann mit allen Beteiligten
das weitere Verfahren zu künftigen Planungen für das Gängeviertel
besprochen. Bis Ende März sollen die Eckpunkte für ein städtebauliches
Konzept, die architektonische Umsetzung, beteiligte Akteure und mögliche
Finanzierung geklärt sein.

Stadtentwicklungssenatorin Anja Hajduk: „Jetzt haben wir die Möglichkeit,
ein neues Konzept für das Gängeviertel zu verwirklichen. Unter
Berücksichtigung der Kriterien Stadtentwicklung, Denkmalschutz,
Künstlernutzung und Wirtschaftlichkeit wollen wir eine tragfähige Lösung für
das Gängeviertel finden.“

Senatorin Prof. Dr. Karin v. Welck: „Selbstverständlich werden wir bei den
weiteren Planungen die Vorstellungen der Künstler einbeziehen. Unser Ziel
ist es, das Gängeviertel zu einem lebendigen, kreativen innerstädtischen
Quartier weiterzuentwickeln.“

Um die Gebäudesubstanz im Gängeviertel zu sichern, wird die Finanzbehörde
nun sofort veranlassen, dass die Häuser winterfest gemacht werden.

Für Rückfragen:

Enno Isermann, Pressesprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt
Susanne Frischling, Pressesprecherin der Behörde für Kultur, Sport und
Medien
Daniel Stricker, Pressesprecher der Finanzbehörde

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15. Dezember 2009/bksm15

Weitere Entwicklung des Gängeviertels ohne Hanzevast

Der Hamburger Senat hat sich mit der Hanzevast-Gruppe darauf
verständigt, dass das Projekt Gängeviertel ohne eine weitere
Beteiligung des niederländischen Investors fortgeführt wird.

Beide Seiten haben sich auf die Aufhebung der Verträge und die
Rückerstattung der geleisteten Zahlungen verständigt. Hamburg erwirbt
die Rechte an Planungsleistungen (Architektenpläne etc.) und
erstattet Hanzevast einen Teil der entstandenen Aufwendungen.
Insgesamt leistet Hamburg an Hanzevast eine Zahlung in Höhe von knapp
2,8 Millionen Euro.

Im September 2008 hatten der Bezirk Hamburg-Mitte und der niederländisc
he Investor Hanzevast einen städtebaulichen Vertrag geschlossen. Die
Finanzbehörde hatte sich mit Hanzevast auf einen Kaufvertrag für das
Gängeviertel geeinigt, dem auch die Kommission für Bodenordnung
zugestimmt hatte. Das von allen beteiligten Seiten gebilligte
städtebauliche Konzept sah die teilweise Modernisierung von Gebäuden,
den teilweisen Abriss und Neubau sowie eine deutliche Erhöhung der
Baumassen vor. Hanzevast hatte in der Folgezeit entsprechend seinen
vertraglichen Verpflichtungen das Bauvorhaben weiter vorangetrieben
und eine Baugenehmigung beantragt. Diese wurde im September 2009
erteilt. Anschließend wurden vertragsgemäß weitere Kaufpreisraten für
die Grundstücke gezahlt.

Ausgelöst durch Aktionen der Künstlerinitiative „Komm in die Gänge“
hat seit Ende August 2009 eine intensive öffentliche Diskussion über
die Zukunft des Gängeviertels stattgefunden. Dabei standen sowohl die
im städtebaulichen Vertrag vereinbarten Gebäudeabrisse und Neubauten
wie auch das Nutzungskonzept in der Kritik.

Konzeption mit breiterem Konsens ermöglicht

Hanzevast hat in der Vergangenheit für die Vorbereitung des Projekts
und für die Umsetzung der geschlossenen Verträge erhebliche Mittel
aufgewendet. In Anbetracht der aktuellen Diskussion sind sich Hamburg
und Hanzevast darin einig, dass – ungeachtet bestehender Verträge –
eine Umsetzung des bisherigen städtebaulichen Konzeptes weder für den
Investor noch für Hamburg zukunftsweisend ist. Aufgrund der
öffentlichen Diskussion und der noch offenen konzeptionellen und
zeitlichen Fragen bevorzugt Hanzevast einen Ausstieg aus dem Projekt
und ermöglicht Hamburg eine Projektkonzeption mit breiterem
öffentlichem Konsens.

Diese Einigung erfolgt in gegenseitigem Respekt für die jeweiligen
Interessen und das Engagement der Beteiligten.

Für Rückfragen:

Enno Isermann, Pressesprecher der Behörde für Stadtentwicklung und
Umwelt

Susanne Frischling, Pressesprecherin der Behörde für Kultur, Sport
und Medien

Daniel Stricker, Pressesprecher der Finanzbehörde

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Diskussionrunde: Wie soll das Viertel aussehen, in dem wir leben wollen? http://gv.blogsport.de/2009/12/06/diskussionrunde-wie-soll-das-viertel-aussehen-in-dem-wir-leben-wollen/ http://gv.blogsport.de/2009/12/06/diskussionrunde-wie-soll-das-viertel-aussehen-in-dem-wir-leben-wollen/#comments Sun, 06 Dec 2009 16:22:01 +0000 Administrator Allgemein http://gv.blogsport.de/2009/12/06/diskussionrunde-wie-soll-das-viertel-aussehen-in-dem-wir-leben-wollen/ Diskussionrunde: Wie soll das Viertel aussehen, in dem wir leben wollen?

Mit dem Verlust der Druckerei und Fabrik im Gängeviertel haben viele Leute ihren sozialen und politischen Ort verloren. Dadurch kam auch ein Teil der Vielfalt des Viertels abhanden.

Wir möchten über die Gestaltung öffentlichen Raums am Beispiel der Druckerei diskutieren und Möglichkeiten der Erweiterung finden, auch wie ein Miteinander verschiedener Positionen im Gängeviertel möglich ist.

Kommt alle, gern auch, wenn ihr bisher nicht im Gängeviertel aktiv wart!

Di, 8.12. – 20:00 Jupi Bar, Gängeviertel

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Wenn sich die Stadt mit uns verzockt hat… http://gv.blogsport.de/2009/11/26/wenn-sich-die-stadt-mit-uns-verzockt-hat/ http://gv.blogsport.de/2009/11/26/wenn-sich-die-stadt-mit-uns-verzockt-hat/#comments Thu, 26 Nov 2009 20:53:59 +0000 Administrator Allgemein http://gv.blogsport.de/2009/11/26/wenn-sich-die-stadt-mit-uns-verzockt-hat/ Entgegen unserem Artikel „Gängeviertel –wo wir gerade stehen“ war die Ansage, die Stadt hätte den Rückkauf des Gängeviertels bereits abgeschlossen, offensichtlich zu weit gegriffen. Vielmehr scheint das Poker-Spiel ums Gängeviertel weiter zu gehen, und die Senatspolitik ist undurchschaubar wie eh und je. Wie heute bekannt wurde, hat Hanzevast bei dem Versuch, der Stadt zu verbieten, weiterhin Nutzungsverträge mit der Initiative „Komm in die Gänge“ abzuschließen, einen Teilerfolg erzielt. Allerdings darf die Stadt die Nutzung weiterhin dulden, und ist nicht zur Räumung verpflichtet. Gleichzeitig heißt es weiterhin, die Stadt würde das Gängeviertel zurückkaufen wollen, jedoch gibt es weiterhin keine klare Ansage seitens der Stadt. Oft erscheint es uns, als würde der Senat das Gängeviertel als Gesellschaftspiel sehen, bei dem die NutzerInnen mehr Spielfiguren als Spieler sind.

Aber was hat das Gezocke zwischen der Stadt und Hanzevast eigentlich mit uns zu tun? Wir sagen: Relativ wenig. Wir haben den illegalen Leerstand beendet und werden im Gängeviertel weiterhin das tun, was wir für richtig halten. Wenn der Stadt nun ihre unklare Haltung auf die Füße fällt, soll sie selbst dafür geradestehen.

Wir sehen, dass wir die ganzen Entgegenkommen, die dem Senat gemacht wurden, diesen immer noch nicht dazu bewegt, sich mal klar zu verhalten und das Gängeviertel tatsächlich zurückzukaufen, und uns zu ermöglichen, unsere Ideen zu realisieren. Stattdessen geht das Gezocke immer weiter, und wir sehen, dass unsere extremen Entgegenkommen bisher nicht zu einem tatsächlichem Rückkauf geführt haben.

Gleichzeitig hatten wir oft das Gefühl, das Gängeviertel klammert sich in den Verhandlungen an an den Senat wie ein Baby an seine Mutter. Doch ist nicht abzusehen, dass wir auf diese Weise wie die anderen Kinder dieser Mutter enden werden? Und dass der Senat irgendwann deutlich macht, dass er eben nicht Mutter einer anderen Stadtentwicklung sein wird?

Trotzdem würden wir gerne noch einmal klarstellen, dass es uns nicht darum geht, Verhandlungen als solche abzulehnen.
Unser Ziel ist ein juristisch abgesichertes, selbstbestimmtes Gängeviertel. Natürlich kommt man für eine juristische Absicherung um Vertragsverhandliungen nicht herum.
Vielmehr ist der Verhandlungstisch für uns eins von mehreren Auseinandersetzungs-Feldern, obwohl er eben oft mehr Minenfeld als Geschenketisch ist. Genau darum ist es wichtig, die eigene Rolle dort stärker zu reflektieren und mit klaren Positionen aufzutauchen, wenn man sich auf dieses Feld begibt.
Nur dann können wir aus unserer eigenen Stärke heraus selbständig Forderungen stellen; Klarstellen, dass die Stadt in Handlungszwang ist und nicht wir.

Dass dies nicht ausreichend passiert ist, kann man an den Folgen der bisherigen Vertragsabschlüssen und deren Folgen sehen:
Anfangs gab es z.B. die Zusage, nur die unteren Etagen zu benutzen, genauso wie die Zusage, Räume zu einem bestimmten Datum hin selbst zu räumen – was dann ja auch zur Selbsträumung von Druckerei und Fabrik geführt hat.
Und aktuell, dass man dieses Spiel nun auf ähnliche Weise wiederholen will, wie sich im Abendblatt vom 21.11. nachlesen lässt.
Wieder die Zusage, gegebenenfalls rauszugehen, unterschrieben.

Wir denken, wir sollten das, was Partizipation mit uns macht, stärker reflektieren.. Wir haben in den letzten Wochen viele Gespräche gehabt, in denen wir den Eindruck hatten, allein schon die mögliche Teilhabe an großen Entscheidungen beschränken unsere Möglichkeiten an konfrontativeren und kreativeren Aktionen und einer stärkeren Durchsetzungsfähigkeit jenseits des Verhandlungstisches. Dass Fabrik und Druckerei immer noch leer stehen, hat in unseren Augen stark damit zu tun.
Nochmal: wir sind nicht gegen Verhandlungen. Aber wir müssen uns bewusst machen, dass unsere Stärke viel größer ist, als das, was uns am Verhandlungstisch suggeriert wird. Wir müssen uns klarmachen, dass uns niemand zwingen kann, jedes Spiel mitzumachen – dass uns in der derzeitigen politischen Situation niemand räumen kann außer wir uns selbst – dass wir kraftvoll dastehen!

In der Stadt ist gerade jede Menge Bewegung, und zwar genau deshalb, weil der Senat über Jahre hinweg eine solch miese Politik gemacht hat. Politik und Wirtschaft haben die Stadt zerstört, nicht wir. Deshalb ist die Rückabwicklung zwischen Hanzevast und Stadt nicht unsere Diskussion.
Wenn die Stadt meint, monatelang pokern zu müssen, und zwar an vielen Orten in Hamburg, dann kann unsere Antwort nicht mehr der gute Glaube an den Senat sein, sondern der zivile Ungehorsam, das Besetzen von Gebäuden gegen den Senat. Wir setzen den Senat unter Druck und nicht umgekehrt.
Das Pokerspiel des Senats, die Verwirrungtaktik und die unklare, widersprüchliche Senatsposition (uns offiziell toll finden, an Hanzevast verkaufen und mit Investoren im Gespräch sein) ist nicht unsere Ebene. Wenn Ole sich verzockt hat, soll er es selbst ausbaden. Natürlich hat die Stadt immer die Möglichkeit, das Gängeviertel zurückzubekommen, auch wenn sie jetzt scheinbar so tut, als ob gar nichts anderes mehr denkbar ist als das Hanzevast die Politik bestimmt. Klar kann es sein, das das dem Senat was kosten könnte. Aber ist es unser Problem, wenn Ole sich verzockt hat?
Zu glauben, das Geld, dass der Senat zur Rückabwicklung von Verträgen benötigt, sonst uns zukommen würde, geht falscherweise davon aus, dass der Senat nur darauf wartet uns zu unterstützen, und uns alles zu geben, was er hat. Wenn wir schauen, wofür das Geld in Hamburg aber tatsächlich ausgegeben wird, ist jeder Euro für die Rückabwicklung der Gängeviertel-Verträge besser angelegtes Geld. Traurig, aber wahr.

Wenn CDU und Grüne Probleme mit Hanzevast haben, sind das deren Auseinandersetzungen, nicht unsere. Es ist offensichtlich, dass der Senat, wenn er diese Politik weitermacht, über seine eigenen Füße stolpern wird. Wenn der Senat will, dass die Verhältnisse wieder wie nach der Bambule-Räumung sind, soll er so weiter machen wie mit Frappant und BNQ und wie er es mit dem Gängeviertel vorhatte. Denn klar ist, mit jedem Mammutprojekt, dass uns vor die Nase gesetzt wird, sind wir wieder eine große Menge Menschen mehr, die „Regierung stürzen“ rufen werden.

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http://gv.blogsport.de/2009/11/26/wenn-sich-die-stadt-mit-uns-verzockt-hat/feed/
Hörenswertes http://gv.blogsport.de/2009/11/23/hoerenswertes/ http://gv.blogsport.de/2009/11/23/hoerenswertes/#comments Mon, 23 Nov 2009 14:10:36 +0000 Administrator Allgemein http://gv.blogsport.de/2009/11/23/hoerenswertes/ …Eine kleine Sammlung von Vorträgen und Hörenswertem zum Thema Gängeviertel, Kunst und Gentrification


Mitschnitt – Die Stadt gehört ja eigentlich allen

Wer am 17.11. nicht bei der Diskussionsveranstaltung in der Jupi-Bar dabei sein konnte, es gibt den FSK Mitschnitt zum Download bei freie-radios.net

Die Stadt gehört ja eigentlich allen (mp3, 110min,50mb)
http://www.freie-radios.net/portal/content.php?id=30781

FSK Magazin – Kunst und Politik – November 2009 – Reportage aus dem Gängeviertel
Aufzeichnung einer Live-Reportage aus dem sog. Gängeviertel, einem seit dem 22. August besetzten Komplex in Hamburg.

Teil 1 (mp3, 64min)

Teil 2 (mp3, 54min)

Gegen, ohne, für: Kunst, Avantgarde und gesellschaftliche Emanzipation
Zum Auftakt der Feierlichkeiten zum zwanzigjährigen Bestehen der roten Flora lud die Gruppe „Kritikmaximierung“ am 19.09.2009 zu einer Podiumsdiskussion über Kunst, Avantgarde und gesellschaftliche Emanzipation. Es diskutierten Stephan Geene (b_books, Berlin), Till Gathmann (Künstler, Leipzig), Rosa Perutz (antinationale Organisierung in der Kunst) und Kerstin Stakemeier (Kunsthistorikerin, Berlin). Moderiert wurde das ganze von Roger Behrens (Hamburg) und die Diskussion drehte sich vor Allem um das Verhältnis von Form und Inhalt.

Seite von Kritikmaximierung

Gegen Ohne Für (55min, 19mb, mp3)

Mythos Gentrifizierung
Yuppisierung«, »Aufwertung« und »Vertreibung von Bewohnern« – das sind Schlagworte, mit denen seit gut 20 Jahren die Phänomene rund um Gentrification bzw. Gentrifizierung klassifiziert werden. Doch was heißt Gentrification eigentlich? In dem Vortrag wird kurz die Entwicklung der stadtsoziologischen Forschung zum Themengebiet vorgestellt. Die linke Subkultur will den öffentlichen Raum gegen die Kapitalisten verteidigen – doch wo kommt eigentlich der öffentliche Raum her? Was das alles mit Leipzig zu tun hat und warum es sinnvoll ist, zu diesem Thema Positionen zu entwickeln, darüber sprach der Soziologe Hans-Christian-Psaar in Leipzig.

Mythos Gentrifizierung? teil I

Mythos Gentrifizierung? teil II

Vortragsreihe „Die Stadt im Neoliberalismus“
Seite von „Wir bleiben Alle!“

Die Aufzeichnungen der Veranstaltungsreihe „Die Stadt im Neoliberalismus“ sind nun auch im Internet verfügbar. Von Ende September bis Ende November 2008 behandelten fünf Veranstaltungen in Erfurt die Umstrukturierungen von Städten in Zeiten des Neoliberalismus. Die einzelnen Vorträge sind nun Online hörbar und stehen zum Download bereit:

1. Volker Eick: Die Stadt im Neoliberalismus (Einführungsvortrag)
Download bei archive.org
2. Eric Töpfer: Außer Kontrolle? Videoüberwachung in der neoliberalen Stadt
Download bei archive.org

3. Tobias Alm: „Besetze deine Stadt! – BZ dyn by!“ Häuserkämpfe und Stadtentwicklung in Kopenhagen
Download bei archive.org
4. Andrej Holm: Right to the City – soziale Bewegungen in den Städten
Download bei archive.org
5. Ella von der Haide: Urban Gardening – ein Konzept zur Rückeroberung städtischer Räume
Download bei archive.org

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http://gv.blogsport.de/2009/11/23/hoerenswertes/feed/
Gängeviertel – wo wir gerade stehen http://gv.blogsport.de/2009/11/04/gaengeviertel-welche-szenarien-sind-moeglich/ http://gv.blogsport.de/2009/11/04/gaengeviertel-welche-szenarien-sind-moeglich/#comments Wed, 04 Nov 2009 17:24:54 +0000 Administrator Allgemein http://gv.blogsport.de/2009/11/04/gaengeviertel-welche-szenarien-sind-moeglich/ Wie mittlerweile durch diverse Medien bekanntgegeben wurde, scheint die Stadt zur Zeit den Rückkauf des Gängeviertels vorzubereiten. Wir begrüßen das, und freuen uns auf die weitere Auseinandersetzung. In unserer Freude haben wir aber nicht übersehen, dass das Abendblatt bereits eine erneute Investorenlösung als wahrscheinlichste Variante in die Diskussion geworfen hat.

Wir machen deutlich… Mit uns keine Investorenlösung! Wir sind die Stadt, und die Stadt ist nicht Klausmartin Kretschmar, Jochen Waitz oder wer auch immer glaubt, für uns sprechen zu müssen.

Es wird also in den kommenden Wochen darum gehen, deutlich zu machen, dass wir uns keinen alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen lassen werden. Dass wir uns freuen, dass die Frage nach der Zukunft des Gängeviertels wieder offen ist, aber dass es uns auch weiterhin darum gehen wird, mehr als „angehört“ zu werden. Was wir aber auch genau wissen, ist, dass ein möglicher Rückkauf des Gängeviertels nicht stattfindet, weil die Stadt uns einfach so toll findet. Einer unserer wichtigsten politischen Erfolge ist schließlich der Fingerzeig auf Widersprüche in ihrer Stadtentwicklungspolitik. Hamburg will sich als Kulturstadt präsentieren und spannt dafür gezielt Kunst und Kultur vor den Karren. Markus Schreiber, Chef des Bezirksamts Mitte, beschreibt städtische Interessen in Hamburg ganz genau: „Wir wollen die Künstler nutzen, um eine Atmosphäre zu schaffen. Die Künstler kommen zuerst, dann wird der Stadtteil aufgewertet. Gentrifiziert. Die sind die Vorhut.“. An dieser Stelle sind wir Schreiber dankbar, das er uns offen sagt, was er mit uns vorhat. Dies ermöglicht uns, zu verstehen, was die Stadt mit uns will und auf welche Tricks wir aufpassen müssen. Dem werden wir unsere Idee von Stadtentwicklung entgegenstellen: Keine Aufwertung in Schreibers Sinne, keine Gentrifizierung, und auch keine Investoreninteresen. Denn gerade der Rückkauf des Gängeviertels zeigt, das der Senat nicht alles gegen die Interessen der Bewohner durchsetzen kann.

Was uns nun bevorsteht, ist eine offene Frage: Mit dem eventuell bevorstehenden Rückkauf des Gängeviertels ist die Frage, was mit den Häusern passiert, nicht beantwortet. Auch wenn eine Räumung inzwischen unwahrscheinlich erscheint, gibt es noch die verschiedensten Entwicklungsmöglichkeiten, was mit uns passieren wird. Wir möchten nachfolgend mal ein paar Eckpunkte benennen, mit denen die Stadt in der nächsten Zeit versuchen könnte, uns zu begegnen.

1.Variante: Die Stadt versucht, mit einem Investor das Gängeviertel zu gestalten.

Das die Stadt diese Variante ins Gespräch bringen wird, ist nicht unwahrscheinlich. Auch wenn Hanzevast draußen ist, heißt das nicht, dass die Stadt nicht etwas Ähnliches in modifizierter Variante von neuem probieren könnte. Bei dieser Variante würde man uns „anhören“, „die Künstler mit einbeziehen“ und dann mit einem anderen Investor als Hanzevast das Gängeviertel gestalten. Hierbei würde die Stadt wahrscheinlich auf einen Investor zurückgreifen, der genau weiß, wie man mit Kreativen und Kulturschaffenden redet, um am Ende den erzeugten Mehrwert abzuräumen. Jemanden, für den Begriffe wie „anhören“, „einbeziehen“ und „soziales Denken“ keine Fremdworte sind, der genau weiß, dass die reale langfristige Entscheidungsmacht, die Besitzfrage und die Zukunft der Wertanlage nachwievor sicher in seinen Händen liegen. Dieses Szenario hat ideologische Unterstützung von dem Ökonom Richard Florida, nach dessen Meinung die Kreativen der wichtigste Motor für das ökonomische Wachstum einer Stadt darstellen und sie deswegen eine Beteiligung verdient hätten. Es ist ein Modell, bei dem die reale Entscheidungsmacht nicht bei uns liegen wird. Man würde so tun, als ob wir mitreden dürften, uns aber im Endeffekt nur ein bisschen tanzen und reden und vielleicht eine Wand noch bunt anmalen lassen, uns die reale Entscheidungsmacht, Gestaltungsmöglichkeiten und die Deutung unseres Bemühen jedoch entziehen – Alles andere als Selbstverwaltung also.

Das Modell, eine politische Stadtteil-Auseinandersetzung um eine Immobilie zu privatisieren, ist interessanterweise nicht neu, sondern es gibt Ähnlichkeiten mit dem Prozess, den die Flora in den letzten 10 Jahren durchgemacht hat: Dort wurde eine interessante Immobilie, die ungeregelt als soziales Zentrum recht gut funktionierte, für verhältnismäßig wenig Geld an Klausmartin Kretschmer verkauft, und zwar unter der Auflage, dort 10 Jahre keine kommerziellen Interessen zu verfolgen . Die Zeit verging schneller als man so dachte (so ist das manchmal im Leben) und die 10 Jahre gehen so langsam ihrem Ende entgegen, heute haben wir genau die Situation, die vorher eigentlich schon alle geahnt haben. Auch Soziale Worte des Investors waren halt nur Worte. Hohle Phrasen, mit denen Kretschmer ein großartige Immobilie billig einkaufen konnte. Eigentlich ging es um Spekulation und Kapitalinteressen, die 10 Jahre sind bald um, und der „soziale“ Kretschmer kündigt an, das Soziale zu stoppen und die Flora auf den Immobilienmarkt werfen zu wollen, deren Wert sich übrigens mittlerweile verfünfzigfacht hat. Die Folge dieses Fehlverhaltens des Senats wird sicherlich in der nächsten Zeit noch für einiges an Stimmung im Schanzenviertel sorgen. All diese Folgen des Versuchs, die Auseinandersetzung mit der Flora zu privatisieren, waren von Beginn an absehbar. Um so unverständlicher ist es, das die Stadt jetzt ähnliche Modelle für das Gängeviertel ins Gespräch bringen will. Genau genommen sind die Modelle, die uns die Stadt vorschlagen würde, wahrscheinlich noch viel schlechter für uns als das Modell Flora, weil absehbar ist, das sich einige Leute aus dem Gängeviertel deutlich mehr in Ihr Handeln reinreden lassen als die Flora das tat.

Anhand des Beispiels Flora wird jedoch auch deutlich, was allen Investoren-Lösungen gemein ist: Es geht dort am Ende immer um Kapitalanlagen und nicht um eine unkommerzielle Gegenkultur. Selbst wenn eine Investorenlösung die Architektur erhalten würde, hätte sie für unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen Folgen, auf die wir uns nicht einlassen können. Eine langfristig selbstverwaltete Struktur wäre genauso unmöglich wie die Chance, Räume einfach mal neu entstehen und sich entwicklen zu lassen, zu sehen was ungeplant passiert, soziales experimentieren zu ermöglichen. Doch genau das benötigt unser Kunstbegriff und unsere Vorstellung von Stadtentwicklung von unten. Für uns ist Kreativität mehr als ein hübscher, verkaufbarer Strich auf einem Blatt Papier.

Investorenlösungen sind immer das Gegenteil von kreativen Möglichkeiten: Sie bedeuten Durchplanung von Architektur, und richten Räume im Endeffekt immer nach Verwertbarkeit aus. Fest steht: Am Ende muss die Rendite stehen. Und selbst, wenn es mit einem Investor noch einzelne angenehme Räume geben würde, liegt es nicht in unserem Interesse, unsere Träume so zu realisieren, dass man sie uns jederzeit wieder wegnehmen kann, dass man uns am Ende doch jederzeit wegschieben kann, wenn wir alles schön aufgewertet haben. Es ist nicht in unserem Interesse, dass wir jemandem anders gehören und einfach nur unsere Funktion erfüllen, die Innenstadt interessanter zu machen. Und die Stadt uns gleichzeitig als soziales Feigenblatt in die Kameras hält. Die nützlichen Idioten werden wir nicht spielen.

2.Variante: Die Stadt räumt uns Stück für Stück und lässt uns ein oder zwei Häuser im Gängeviertel

Diese Strategie ist eigentlich nur eine Variante der gerade beschriebenen. Hier hält der Senat an seiner alten Idee fest, aus dem Gängeviertel möglichst viel Profit zu schlagen. Um eine härtere Auseinandersetzung mit uns zu vermeiden, schiebt er uns im Gängeviertel hin und her, ringt uns dabei mit Hilfe von Geschenken immer mehr Häuser ab, bis wir letztendlich auf ein oder zwei Häuser reduziert sind.

Die Möglichkeit, uns durch kleine Geschenke zu bewegen, hat schon einmal geklappt. Wir haben unsere wichtigsten Räume im Tausch gegen eine kleine Eckkneipe und einen Schickiladen hergegeben. Beim nächsten Mal könnte die Stadt z.B. sagen, das wir wieder aus einem Haus unbedingt rausmüssen („es ist wirklich wichtig und wir haben da keinen Verhandlungsspielraum bla bla“), und uns als Gegenleistung anbieten, 200.000 Euro für die Winterfestmachung der anderen Häuser zur Verfügung zu stellen. Das macht sie zwei drei Mal, und wir fallen jedesmal drauf rein. Am Ende hat uns die Stadt stark reduziert, und könnte Anfangen, den Rest direkt zu „Luxusimmobilien mit künstlerischem Flair“ zu sanieren. Wir hätten (mit schwerem Herzen aber das interessiert hinterher niemanden) zugestimmt und würden uns daher nicht öffentlich beschweren. Diese Mischung aus Salamitaktik und Geschenken hat mit der Selbsträumung von Fabrik und Druckerei ja bereits einmal durchgezogen und die Stadt würde an diese Linie anknüpfen.
Ergebnis wäre dann ein Gängeviertel nach den Vorstellungen der Ökonomen, in das ein paar Künstler einen alternativen Flair hineinspielen. Vielleicht ein Mischung aus Hafencity und Hackeschen Höfen. Raum für eine andere Stadtentwicklung wäre da sicherlich nicht und wir den mal, das wir auf den Verhandlungstrick der Stadt, mit dem wir Druckerei und Fabrik verloren haben, nicht noch ein zweites Mal hereinfallen werden.

3. Variante: Die Stadt realisiert das Gängeviertel mit uns

Die letzte Variante, wie die Stadt mit dem Gängeviertel umgehen könnte, ist die einzige, die der Beginn einer anderen Stadtenwicklungspolitik sein könnte – einer, die die Menschen ernsthaft mit einbezieht. Die Stadt würde das Gängeviertel zurückkaufen und die Gestaltung uns, den Menschen dieser Stadt überlassen.
Als Basis-Konzept würde sie uns unser Genossenschafts-Konzept für die die Zukunft des Gängeviertels anerkennen, und wir würden an dem Konzept weiterdiskutieren, es weiterentwicklen, und umsetzen.
Natürlich geht das nicht von heute auf morgen, aber das ist ja auch genau das was wir wollen – einen sich entwickelnden uns sich selbst immer wieder neu schaffenden Ort der künstlerischen und sozialen Auseinandersetzung. Die Stadt würde uns in dieser Variante zusichern, das wir als Initiiave auch langfristig über das Gängeviertel bestimmen. Das würde für uns der Beginn von etwas anderem sein, ein Symbol, das die Stadt gewillt sei, sich auf eine andere Linie mit ihren Bewohnern einzulassen als die Einteilung ihrer Bewohner nach Einkommen und darauf folgende Vertreibung der Ärmeren. Das wir dazu in der Lage wären, deuten unsere eigenen Diskussionen und Konzepte bereits an. Natürlich wäre nicht alles einfach. Wir würden auch Strategien und Konzepte entwickeln müssen, unsere Entwicklung auch langfrisitg demokratisch und offen zu gestalten. Die Gründung einer Genossenschaft, die frei von Verwertungsdruck das Viertel besitzt, würde uns die Möglichkeit geben das Gängeviertel zu einem selbstbestimmten Ort machen und genau das ist der Punkt, warum es die einzige Chance ist, bei der wir nicht von vornherein verloren haben. Sie wäre ein Beispiel für basisdemokratische Stadtpolitik jenseits von Neoliberalen Höchstbieterverfahren: Sie würde deutlich machen, das Menschen von unten etwas erreichen können und das Bewegung sich lohnt.

So, wie sicher deutlich wurde, freuen wir uns über jeden Teilerfolg.
Gleichzeitig ist es uns jedoch wichtig, dass die weitere Entwicklung nach unseren Vorstellungen weitergeht. Eine Investorenlösung schließen wir hiermit ausdrücklich aus. Uns ist weiterhin wichtig, das die Auseinandersetzung ums Gängeviertel weiterhin Teil der Auseinandersetzung für eine andere Stadtentwicklung ist. In diesem Sinne stoßen wir auf den den Teil-Erfolg des Gängeviertels an, und bereiten uns auf die Bambule-Demonstration am 28.11. vor.

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